Follower

Sonntag, 3. Februar 2013

Immernoch kein Sterbenswörtchen

Hallo Ladies!
Ich bin mal wieder auf 180, abgefuckt, genervt, traurig, verzweifelt. Ich versuche krampfhaft alles ironisch zu sehen aber das klappt nicht ganz so gut. Die Depressionen sind wieder da. Ich bin stets ein rationaler und realistischer Mensch gewesen, selten idealistisch, oft pessimistisch. Ich lache über meinen dicken Hintern, ich fresse voller Genugtuung bei Kumpels mehr als der Rest zusammen und erwähne schließlich, dass mein Stoffwechsel fabelhaft sei. Dann entschuldige ich mich kurz, spreche der Nahrung mein Beileid aus und befördere sie mucksmäuschenstill in die Keramik. Wenn ich wieder den Raum betrete, gähne ich, wisch mir die Tränen weg und betone kurz dass meine Tränendrüse schon beim Gähnen lächerlich schnell anfängt zu produzieren. Meine Kumpels lachen, ein paar gucken etwas skeptisch. Sie wissen es. Sicher. Ist mir egal.

Aber etwas hat sich geändert. Meine Mama ist der liebste Mensch der Welt, auch wenn sie mir oft sehr weh tut oder wehgetan hat. Ich habe in letzter Zeit wieder Angst um sie. Ich hasse meine Schwester dafür, dass sie meine Mama beim Essen zum weinen bringt, sie fertig macht. Ich komme nicht damit klar, dass Mama nachts aufbleibt bis ich wieder zu Hause bin, wie sie sich die Fotos aus unserer Kindheit anschaut und dabei weint. Wie sie einfach keinen Therapieplatz bekommt, egal bei wievielen "Helfern" sie anruft. Ich hasse wie ich immer so viel esse und dann erbreche. Weil sie es mitkriegt. Und ehrlich gesagt könnte ich mit dieser Liste ewig weitermachen. Aber mir stehen jetzt schon die Tränen in den Augen.
Wenn ich in Gedanken versunken bin, ist alles unecht. Ich merke nicht, dass ich laufe, weine, existiere. Ich bin komisch; habe immer den Blick auf den Boden gerichtet. Wenn ich alte Leute sehe, dann bemitleide ich sie, weil sie keinen mehr haben. Wenn ich Kinder sehe tun sie mir leid, da sie geboren wurden. Wenn Papa mit meinem Hund Gassi geht, habe ich Angst. Ich male mir aus, wie ich ohne meinen Hund leben soll und wie ich scheitern werde.
Klar, all dessen bin ich mir die ganze Zeit bewusst gewesen. Doch jetzt ist es noch bewusster, es ist primär wichtig geworden. Ich habe sogar der Angst und der Depression einen Großteil meiner Gedanken gewidmet, obwohl meine Essstörung das nicht wollte. Umso besser, dass ich bald in eine Klinik komme.

Die Klinik. Haha. Lustig.
Nächster Punkt auf meiner Tagesordnung: Beschwerde.
Julie, 54-55 kg, 175 cm groß, Schuhgröße 40/41, Lieblingsfarbe weinrot, Lieblingess..ach interessiert eh keinen. Nicht einmal die Klinik, die mich dringlich aufnehmen wollte. Ich bin halt doch nur eine hysterische Bulimikerin, die denkt sie sei einmal wichtig, weil sie 6 Mal am Tag kotzt.

Ich bin weder extrem untergewichtig, noch esse ich tagelang nichts. Klar, dass man eher Mädchen nimmt, die 35 kg wiegen auf 170 cm und nichts an ihrer Situation ändern möchten. Ist vollkommen plausibel, dass die Bulimie keine schlimme Essstörung ist im Gegensatz zur Magersucht. Oder nicht? Zumindest wird mir diese Betrachtungsweise täglich eingetrichtert. Oh, wie oft haben wir schon in der Klinik angerufen. "Akte ist noch in der Arztbesprechung." "Bis Mitte nächste Woche haben sie einen Termin." "Ja, ja, ich sage dem Oberarzt, dass es sehr dringend ist. Ja okay, okay, ja, TSCHÜSS." Nichts.

Ich habe noch keinen Termin, ich nehme nicht mehr ab um einen auf anorektisch zu machen, dass man mich vielleicht doch aufnimmt bevor meine Speiseröhre aussieht wie ein Sieb, ich bin dauermüde, depressiv, ich schaffe es nicht einmal mehr mein Praktikum durchzuziehen, schwänze fast täglich.

Ich habe keine Ahnung, wie das weitergehen soll. Keine Ahnung.



2 Kommentare:

  1. Ich weiß gar nicht wirklich was ich schreiben soll.
    Fühl dich umarmt wenn du magst. ♥
    Nicht aufgeben.

    AntwortenLöschen
  2. Ich wünschte, ich könnte irgendetwas zu sagen, das dir weiterhelfen würde, aber ich weiß nicht was, finde die richtigen Worte nicht. Ich hoffe so sehr, dass du es schaffst, gegen diese Krankheit anzukämpfen. Und nur am Rande erwähnt: Auf dem Bild siehst du unglaublich dünn aus. Wüsste ich es nicht besser, hätte ich dich auf höchstens 47kg geschätzt.
    Und du BIST wichtig. Du hast jede Hilfe der Welt verdient!
    Ich denk an dich! ♥

    AntwortenLöschen